
Nachhaltigkeitsberichterstattung belastet Heilbäder und Kurorte erheblich!
Während künstliche Intelligenz als Werkzeug zur Effizienzsteigerung angepriesen wird, verschärft die Kombination aus strenger Regulatorik wie z.B. der EU-CSRD und dem Einsatz von Technologie die ohnehin angespannte finanzielle und personelle Lage der Gesundheitseinrichtungen. Die Belastungen gliedern sich in folgende Bereiche:
Extrem hoher personeller und finanzieller Aufwand
Die in der Regel kommunal geprägten oder mittelständisch strukturierten Kurverwaltungen und Kurbetriebe verfügen selten über eigene Nachhaltigkeitsabteilungen. Soweit sie unmittelbar berichtspflichtig sind oder mittelbar durch ESG-Datenabfragen von Banken, Fördermittelgebern, Krankenkassen, Kliniken oder größeren Vertragspartnern betroffen werden („trickle-down-effect“), bindet das Zusammentragen zahlreicher Nachhaltigkeitsdaten Arbeitskräfte, die dringend in der Kurgastbetreuung, Pflege oder im laufenden Betrieb fehlen. Die Implementierung spezieller ESG-Software und KI-Analyse-Tools verursacht immense Kosten, die die zumeist sehr kleinen Kommunen sich überhaupt nicht leisten können.
Der ökologische Fußabdruck – das KI-Nachhaltigkeitsparadoxon
KI-Modelle erleichtern zwar das Texten und Sortieren von Berichten, verbrauchen beim Training und im Betrieb jedoch enorme Mengen an Strom und Wasser.
Heilbäder und Kurorte definieren sich über unbelastete Natur und saubere Ressourcen
Der massive indirekte Ressourcenverbrauch durch genutzte Rechenzentren läuft dem Gedanken der lokalen Klimaneutralität von Kurorten diametral entgegen. Zudem können Kurverwaltungen, Kurbetriebe oder touristische Einrichtungen — soweit sie unmittelbar berichtspflichtig sind oder mittelbar durch ESG-Datenabfragen betroffen werden — nicht nur mit der Erfassung eigener Betriebsdaten, etwa zum Energieverbrauch von Thermen, konfrontiert sein, sondern zusätzlich mit Angaben zu vor- und nachgelagerten Bereichen wie Lieferketten oder Gästemobilität. Ohne verlässliche Datenbasis lassen sich solche Schnittstellen auch durch KI nicht belastbar abbilden.
Was kann die Bundesregierung / das BMWE tun, um Heilbäder und Kurorte von den Lasten der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu entlasten?
Die Bundesregierung kann mehrere Hebel ansetzen. Die Lösungsansätze reichen von rechtlichen Ausnahmen über gezielte Förderprogramme bis hin zu standardisierten digitalen Werkzeugen.
- Konsequente 1:1 Umsetzung europäischer Standards. Bei der nationalen Gesetzgebung im Bundestag sollte die Bundesregierung keine zusätzlichen deutschen Hürden einbauen. Es sollten nur die europarechtlichen Minimalstandards umgesetzt werden (z.B. Energieeffizienzgesetz)
- Die Bundesregierung nutzt bereits gesetzliche Spielräume, um Unternehmen mit weniger als 1000 Beschäftigte vorerst von der Berichtspflicht zu befreien. Dieser Fokus auf den Bürokratieabbau sollte auf jeden Fall für mittelständische Kurbetriebe beibehalten werden.
- Größere Vertragspartner wie die Krankenkassen oder Klinikkonzerne wälzen ihre ESG-Pflichten oft auf kleinere Zulieferer ab. Die Bundesregierung könnte gesetzliche Leitlinien oder standardisierte Klauseln erlassen, die verhindern, dass Kurbetriebe mit übermäßigen Datenabfragen von Großkunden bombardiert werden.
Finanzielle Unterstützung unerlässlich
- Einführung eines Thermalbad-Förderprogramms (für Thermalbäder in kommunaler oder staatlicher Trägerschaft), u.a. um Investitionen zu klimaneutralen Kurorten zu ermöglichen
- Fördertöpfe für ESG-Software und Beratung/Schulung.
Bereitstellung staatlicher Infrastruktur und Standards
- Einheitlicher, kostenloser KMU-Standard sollte für kleinere, freiwillig berichtende Betriebe kostenfrei digital und vereinfacht zur Verfügung gestellt werden.
- Zentraler Datenpool für Kurorte
Das BMWE könnte eine Platzform einrichten, die regionale Umweltdaten (Luftqualität, Wasserverbrauch, CO2-Faktoren etc.) automatisiert bereitstellt. Kurbetriebe müssten dann diese Daten nicht mehr mühsam erheben. Erweiterung von kostenlosen Bildungsangeboten. Das Umweltbundesamt bietet bereits punktuell Programme an, um Beschäftigte in Kurorten im Bereich Klimawandel zu qualifizieren. Solche staatlichen Angebote müssen massiv ausgebaut werden, um den akuten Wissensmangel beim Thema Nachhaltigkeit vor Ort zu begegnen.