Allergikerfreundliche Kommune

Der Deutsche Heilbäderverband (DHV) unterstützt Heilbäder und Kurorte, sich allergikerfreundlich zu profilieren und das Zertifikat als Allergikerfreundliche Kommune zu erhalten.

Allergien betreffen derzeit etwa ein Drittel der Bevölkerung. Wissenschaftlich fundierte Hochrechnungen gehen davon aus, dass in wenigen Jahren etwa die Hälfte der Bevölkerung unter einer oder mehreren Allergien leiden wird. Damit ist die Allergie zur häufigsten chronischen Erkrankung geworden. Statistisch gesehen gibt es schon heute in jeder Familie einen Allergiker. Für den Tourismus hat sich damit ein Trend entwickelt, der in Zukunft eine entscheidende Bedeutung haben wird - auch und gerade für die deutschen Heilbäder und Kurorte, den Kompetenzzentren für Gesundheit.

Um das Urlaubsangebot für Allergiker und ihre Mitreisenden zu verbessern und den Gesundheitstourismus in Deutschland auch in dieser Hinsicht qualitativ weiterzuentwickeln, regt der DHV Heilbäder und Kurorte an, sich als allergikerfreundlich zertifizieren zu lassen.

Zertifizierung Allergikerfreundliche Kommune

Hierfür wurde mit ECARF eine Kooperation vereinbart, deren Zweck, die von ECARF begonnene Initiative zur Zertifizierung allergikerfreundlicher Kommunen in Deutschland exklusiv durch den DHV fortzuführen und auszubauen, ist. Die Stiftung ECARF stellt dem DHV ihr wissenschaftlich fundiertes Konzept „Allergikerfreundliche Kommune“ zur Verfügung und unterstützt die Verbreitung des ECARF-Qualitätssiegels durch den Verband.

Grundvoraussetzung der allergikerfreundlichen Kommune in Deutschland ist, dass sie nach den Begriffsbestimmungen des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. auf Länderebene zumindest als Luftkurort oder als Seebad prädikatisiert ist.

In der allergikerfreundlichen Gemeinde fördert die Kommunalverwaltung Maßnahmen, die die touristische Infrastruktur für Gäste verbessern, die von Allergien betroffen sind. Möglichst viele Unternehmen der Gemeinde bieten allergikerfreundliche Produkte und
Dienstleistungen an, die am deutlich sichtbar angebrachten ECARF-Qualitätssiegel leicht zu erkennen sind. Voraussetzung für den Titel „Allergikerfreundliche Gemeinde“ ist, dass zum einen die Kommunalverwaltung den Siegelerhalt befürwortet und unterstützt, zum anderen, dass sich Hotels, Restaurants, Cafés, eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft beteiligen. Es ist wünschenswert, dass andere Unternehmen wie Fleischereien das Serviceangebot der Kommune erweitern.

Öffentliche Bereiche

  • Vermeidung von allergenen Grünpflanzen, die Pollen freisetzen (generell keine blühenden Gräser, Hasel- oder Birkenzweige sowie Olivenpflanzen)
  • externe Kontrolle der Klimaanlage nach Richtlinien des Herstellers und regelmäßiger Filterwechsel (Grund: Klimaanlagen, die nicht instand gehalten werden, setzen allergieauslösende Schimmelpilze frei.)
  • rauch- und haustierfreie Zonen (Grund: Rauch irritiert/reizt die Atemwege und verstärkt die allergischen Symptome, besonders selbstbestäubende Pflanzen setzen Pollen frei und verbreiten diese in Räumen [andere allergene Pflanzen wie das Veilchen oder der Ficus sind auch bekannt, verursachen jedoch nur bei direktem Kontakt Probleme und müssen deshalb nicht aus allen Räumen entfernt werden].)

Das Siegel erhöht die Lebensqualität für Allergiker, denn es:

  • hilft Allergikern bei der Entscheidungsfindung,
  • bietet Sicherheit, dass Unternehmen den Kriterien für  allergikerfreundliche Produkte bzw. Dienstleistungen entsprechen
  • erhöht die Zufriedenheit vor Ort
  • erhöht die Sicherheit bei der Speisenauswahl
  • Medizinisch geprüftes Angebot für immer größer werdende Zielgruppe „Menschen mit Allergien“
  • ECARF-Kriterien definieren Standard der Allergikerfreundlichkeit
  • Sicherheit für die Betriebe

Das Siegel kennzeichnet einen Mindeststandard von Leistungen, die für garantierte Allergikerfreundlichkeit stehen. Kaum ein Gastgeber ist nicht ständig mit Anfragen von Allergikern konfrontiert. Ohne Zertifizierung wird er, so gut er kann, versuchen, den Wünschen der Gäste zu entsprechen. Auf diese Weise entstehen selbstdefinierte Angebote, die sich je nach Betrieb unterscheiden und je nach Bedarf immer wieder verändert werden. Sowohl beim Gastgeber wie auch beim Gast bleibt die Unsicherheit darüber bestehen, was aktuell mit allergikerfreundlich oder ähnlichen Bezeichnungen gemeint sei.

Hier sorgt das Siegel für Abhilfe, denn es legt erstmals durch Kriterien fest, was unter Allergikerfreundlichkeit überhaupt zu verstehen ist. Diese Kriterien sind medizinisch begründet und berücksichtigen zugleich Alltagsbedingungen, wie sie z.B. in Hotellerie, Gastronomie und anderen Betrieben einer allergikerfreundlichen Kommune nun einmal gegeben sind. Ein zertifizierter Betrieb verspricht daher, die Kriterien zur Siegelvergabe einzuhalten. Es entstehen nicht mehr je nach Betrieb unterschiedliche, sondern vergleichbare Angebote. Weil die Kriterien öffentlich sind  ,weiß der Gast, dass er im zertifizierten Betrieb einen medizinisch fundierten und geprüften Mindeststandard erwarten kann. Das Siegel wirkt damit auch falschen Erwartungen und Unsicherheiten auf beiden Seiten entgegen. Es gibt Verbrauchern, Betrieben und im Tourismus Beschäftigten Sicherheit.

Durch die Kooperation zwischen dem Deutschen Heilbäderverband und der Stiftung ECARF gibt es eine qualitätsüberprüfte Fortführung der Zertifizierung von allergikerfreundlichen Gemeinden in Deutschland:

  • Beratung zur pragmatischen Umsetzung
  • Informationsveranstaltungen
  • Schulungen

 für Erst- und Folgezertifizierungen alle zwei Jahre.

AllergikerTipps

Die Nase kribbelt, die Augen jucken und schon der kleinste Spaziergang wird zur Qual. Besonders in der Urlaubszeit kann eine Pollenallergie schnell den wohlverdienten Urlaub vermiesen.

Auch bei einer Allergie gegen Tierhaare kann das kleinste Haar schon verquollene Augen und Niesattacken hervorrufen. Wenn dann der Gast, der vor Ihnen in Ihrer Unterkunft gewohnt hat, auch noch sein Haustier dabei hatte, ist an Urlaubsstimmung nicht mehr zu denken.

Nahrungsmittelallergiker erwartet spätestens beim Frühstück ein böses Erwachen, wenn die Unterkunft nicht auf die Bedürfnisse von Allergikern eingestellt ist.

Eine Allergie ist schon im Alltag eine große Herausforderung. Doch was tun wenn man in den Urlaub fahren möchte? Wir verraten Ihnen, wo und wie Sie trotz Pollenallergie, Tierhaarallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit einen unbeschwerten Urlaub verbringen können. 

„Der Pollenflug ist gestartet!“ Allergikern treibt es bei der Pollenflugvorhersage, dem Blick auf Pollenflugkalender oder Pollenflug-Gefahren-Index des Deutschen Wetterdienstes jährlich aufs Neue Tränen in juckende roten Augen. Milde Winter sorgen dafür, dass Pollen von Bäumen, Sträuchern, Gräsern oder Getreide immer früher im Jahresverlauf durch die Luft wirbeln und bei empfindlichen Menschen bereits vor der Hyposensibilisierung oder dem meteorologischen Frühlingsbeginn Niesattacken, Heuschnupfen, Juckreiz oder allergische Reaktionen der Atemwege auslösen.

Birke, Erle, Hasel oder Roggen gibt es zwar auch in den Allergikerfreundlichen Urlaubsregionen. Klimatische Bedingungen, medizinisch fundierte Kriterien und geprüfte Angebotsqualität garantieren allerdings ideale Voraussetzungen für möglichst beschwerdefreie Ferien in Bad Hindelang (Allgäu), Baabe (Ostsee), Borkum (Nordsee), Bad Salzuflen, dem Schmallenberger Sauerland und dem Ferienland Schwarzwald.

Das Schwarzwälder Mittelgebirgsklima sorgt bei Allergikern mit Atemwegs-, Haut- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen für eine spürbar bessere Lebensqualität – das Klima stärkt das Immunsystem und wirkt bei Klimatherapien gesundheitsfördernd. Im Schmallenberger Sauerland und der Ferienregion Eslohe lindern Allergiker, Neurodermitiker oder Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis Beschwerden im „Abela Heilstollen“ und dem Heilstollen in Nordenau. Im Thermalheilbad Bad Salzuflen lockt die täglich frische Brise der bekannten Gradierwerke Feriengäste an: 600.000 Liter Sole rieseln täglich über die großen Schwarzdornwände und produzieren einen feinen Nebel, der wiederum für eine Luft- und Wasserqualität sorgt, die es ansonsten nur an der See gibt.

Wer das Original direkt an Küste oder Meer bevorzugt, atmet jod- und aerosolhaltige sowie pollenarme Seeluft auf der Nordseeinsel Borkum ein oder unterzieht im Ostseebad Baabe (auf der Insel Rügen) Geist, Seele und Immunsystem einer Frischzellenkur. Laktose- oder glutenfreie Lebensmittel erhalten Feriengäste in Baabe längst direkt vor Ort – vor einigen Jahren mussten Urlauber dafür bis in das 50 Kilometer entfernte Stralsund fahren. Kurze Wege und gesundheitsfördernde Bedingungen bietet auch die Allgäuer Gemeinde Bad Hindelang, die als extrem pollen- und schimmelpilzsporenarm gilt und frei ist von Hausstaubmilben.

Um nicht vom Pollenflug überrascht zu werden unser Tipp: Sehen Sie sich die Pollenflugkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) – so sind Sie immer auf dem aktuellen Stand.   

Die weitläufig verbreitete Meinung, Tierhaare seien der Auslöser für eine Tierhaarallergie ist falsch. Vielmehr sind beispielsweise Hautschuppen, Proteine in Speichel und Schweiß oder im Urin von Katzen, Hunden, Meerschweinchen, Kaninchen, Pferden oder anderen Tieren der Grund für Reizungen in Nase, Augen, Rachen oder Bronchien. Die Symptome reichen von Niesattacken, Schnupfen und geschwollenen Augen bis hin zur Bindehautentzündung. Im Extremfall entwickelt sich die Tierhaarallergie zu einer chronischen Erkrankung der Atemwege wie etwa Asthma weiter.

Weil Allergene an Tierhaaren haften bleiben, sich so weiterverbreiten und über die Atemluft aufgenommen werden, gilt es eine Verschleppung der Tierhaare zum Beispiel über Flure zu vermeiden. Von Hotels, die per Gütesiegel zertifiziert allergikerfreundlich sind, wird das zwingend verlangt.

Es geht den Allergikerfreundlichen Urlaubsregionen nicht grundsätzlich darum, Hundehalter komplett auszuschließen, sondern darum, Allergikern in jedem Fall eine Unterbringung in großem Abstand zu Zimmern für Gäste mit Haustieren zu ermöglichen. Um den Kontakt mit Allergenen auf ein Minimum zu reduzieren, bringen zertifizierte Unterkünfte wie Hotels Tierhaarallergiker in eigenen Etagen unter  oder aber sie verbieten Gästen grundsätzlich, Tiere mitzubringen.

Um festzustellen, ob eine Hundehaarallergie, Katzenhaarallergie oder eine allergische Reaktion auf andere Tiere vorliegt, werden in der Regel Allergietests durchgeführt. Häufig bringen ein Hauttest oder Antikörpernachweis im Blut Klarheit. 

Sie sind Tierhaarallergiker und haben Fragen an die Unterkunft in der Urlaubsregion Ihrer Wahl? Haken Sie direkt bei der Buchung nach.

Allergikerfreundlich zertifizierte Unterkünfte und Betriebe sind bestens für die Bedürfnisse von Allergikern vorbereitet.

Wer auf seine eigene Nahrungsmittelunverträglichkeit verweist, erntet häufig ein gelangweiltes Schulterzucken oder die wenig sensible Bemerkung „Na und? Hat doch jeder irgendwie!“ Was unverfroren plump klingt, trifft es exakt: Es gibt viele Menschen, die an einer Lebensmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelintoleranz leiden. Kinder oder Erwachsene, deren Organismus nicht in der Lage ist, bestimmte Nahrungsbestandteile zu verdauen beziehungsweise über den Stoffwechsel zu verwerten.

Das Problem: Die Diagnose ist ebenso schwierig wie die anschließende Behandlung oder Therapie. Wer außer einem Internisten oder Gastroenterologen kann schon Verdauungsstörungen wie Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption oder Histaminintoleranz von Verdauungskrankheiten wie Zöliakie oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung unterscheiden? Vielen Menschen ist zudem überhaupt nicht bewusst, dass sie an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, da die dafür typischen Symptome wie Müdigkeit, Blähungen, Durchfall oder Bachschmerzen alltäglicher Natur sind.

Diagnostizierten Betroffenen fällt es wiederum schwer, die individuelle Toleranzschwelle für oder gegen den Verzehr eines bestimmten Lebensmittels herauszufinden: So gibt es Nussallergiker, die einen mit ein paar Nussstreuseln verzierten Apfelkuchen mit Genuss verzehren, während sie nach dem Genuss eines Nussmüslis zum Frühstück nach Luft ringen.

Allergikerfreundlich zertifizierte Unterkünfte oder Betriebe wie Restaurants, Bäcker oder Metzger sind geschult und somit bestens vorbereitet.

Sie sind Lebensmittelallergiker? Sie wollen wissen, welche Zusatzstoffe wir in der Küche verwenden? Fragen Sie direkt bei uns nach.

Es gibt einen definierten Standard von Allergikerfreundlichkeit. Zertifizierte Allergikerfreundlichkeit bedeutet, dass die Betriebe diesem Standard für Allergikerfreundlichkeit entsprechen. Sie erfüllen bestimmte, medizinisch gesicherte  Kriterien und garantieren damit gute Voraussetzungen für einen möglichst beschwerdefreien Urlaub.

Eine Vielzahl von Betrieben bilden eine allergikerfreundliche Infrastruktur aus

  • allergikerfreundlichen Unterkünften
  • allerergikerfreundlicher Gastronomie
  • allergikerfreundlichen Einzelhandelsgeschäften
  • kontrollierte Qualität der teilnehmenden Betriebe
  • geschulte Ansprechpartner in jedem teilnehmenden Betrieb und in der Touristeninformation

Durch die garantiert guten Voraussetzungen wird der Kontakt mit Allergenen deutlich reduziert. Hundertprozentig ausgeschlossen werden kann er jedoch nicht. Weil Allergien in vielfältiger Weise auftreten und die Reaktionen auf Allergene individuell unterschiedlich sein können, können allergische Reaktionen nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden. Daher stellt das Siegel keine allgemeine Unbedenklichkeitsbescheinigung dar.  

Ansprechpartner

Bundesgeschäftsstelle
Deutscher Heilbäderverband e.V.
Charlottenstraße 13, 10969 Berlin

Telefon : +49 30 246 369 2 - 0
info(at)dhv-berlin.de