Das deutsche Kur- und Bäderwesen stellt sich für die Zukunft auf

Aktualisierung des Normenwerkes „Die Begriffsbestimmungen – Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen“ in seinem Kernbereich

„Die Kraft steckt in der Qualität“ stellte schon Friedrich Nietzsche fest. Genau diesem Leitmotiv haben sich die deutschen Heilbäder und Kurorte verschrieben. „Sie punkten mit ihren staatlich anerkannten  Qualitätsstandards, den ortstypischen Heilmitteln, ihrer Tradition, den bewährten Therapiekonzepten und ihrer modernen Gesundheitskompetenz“ so der Präsident des Deutschen Heilbäderverbandes e. V. (DHV) Ernst Hinsken.

Denn das Prädikat „Bad“ oder „Kurort“ bekommen nur Orte, die bestimmte Standards erfüllen. „Der Staat stellt sie auf und bestätigt dies mit der Verleihung des Prädikates“ bestätigt der DHV-Präsident. Geregelt werden die Standards in den so genannten „Begriffsbestimmungen“, die mit Recht von allen Flächenbundesländern übernommen werden.

Auf zahlreiche Anregungen und Eingaben aus den Landesministerien und den Mitgliedsverbänden hin, wurden im 120. Jahr des Bestehens des DHV die seit 2005 geltenden Begriffsbestimmungen aktualisiert.

Kernstück der auf drei Etappen angelegten Überarbeitung sind die Artbezeichnungen aus Kapitel 3 des Normenwerkes. Sie sind die Voraussetzungen für die Verleihung der Prädikate „Heilbad“ und „Kurort“ – wie zum Beispiel: Mineralheilbad, Kneippkurort, Moorheilbad usw.
Der allgemeine Teil mit Anforderungen im medizinischen und technischen Bereich schließt die Änderungen im kommenden Jahr ab.

Die anerkannten Grundsätze des Kur- und Bäderwesens der „Begriffsbestimmungen“ sind größtenteils in die Kurortgesetze und –verordnungen der Bundesländer eingeflossen. Sie sind nach dem Grundgesetz für die Gestaltung des Gesundheitswesens zuständig. Damit stellen die Begriffsbestimmungen seit mehr als 60 Jahren eine Klammer des föderal gegliederten Kur- und Bäderwesens dar und sorgen länderübergreifend für eine einheitlich hohe Qualität der Heilbäder und Kurorte.
Sie sind aber mehr als nur ein Instrument zur Sicherung innerverbandlicher Qualitätsnormen. Denn sie dienen in ihrer Außenwirkung einem fairen Wettbewerb der Heilbäder, Kurorte und Erholungsorte untereinander und damit den nach Heilung und Erholung suchenden Patienten und Gästen sowie auch den beratenden Ärzten und Krankenkassen als Orientierungshilfe.

Ein Blick in die Geschichte:

Schon im 19. Jahrhundert gab es im deutschen Raum einen regen Austausch über die Eindämmung bedrohlicher Infektionskrankheiten, wie Cholera und Diphterie. Auch im Bereich der Balneologie und Klimatologie wandten sich Wissenschaftler der Erforschung der natürlichen Heilmittel zu. Man kannte zwar schon die heilende Wirkung der Heilquellen, jedoch ermöglichte erst der Fortschritt der wissenschaftlichen Chemie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genaue Analysen der ortsgebundenen Heilmittel. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt und der Weiterentwicklung der Heilbäderkunde war es notwendig geworden, Ordnungsgrundlagen zu schaffen, die für den Bäderbereich einheitliche Qualitätsrichtlinien und Klassifizierungsmerkmale beinhalten.

Es waren zunächst regionale Bäderverbände, die vor weit mehr als 140 Jahren bereits Verhandlungen mit dem Ziel geführt hatten, derartige Grundbedingungen zu fordern, ehe der „Allgemeine Deutsche Bäderverband“, gegründet im Jahre 1892, Anfang des 20. Jahrhunderts eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Grundlagen für die Heilquellen erstellte. Dies war der Vorläufer der 1. Auflage der Begriffsbestimmungen, die mit Wirkung ab 22. Februar 1937 vom damaligen Reichsfremdenverkehrsverband angeordnet wurden.

Der Deutsche Bäderverband, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1947 wieder konstituiert hatte, sah seine erste Aufgabe wiederum darin, Ordnungsgrundlagen zu schaffen, um die Übersichtlichkeit des Angebotes im Kur- und Bäderwesen auch für die Zukunft zu erhalten. Diese Bemühungen haben ihren Niederschlag in den im April 1951 veröffentlichten „Richtlinien und Begriffsbestimmungen für die Anerkennung von Bade- und Heilklimatischen Kurorten, Luftkurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen“ gefunden. Die Begriffsbestimmungen werden seitdem gemeinsam mit dem Deutschen Fremdenverkehrsverband (heute: Deutscher Tourismusverband e. V.) herausgegeben.

Als ältester Gesundheitsverband in Deutschland vertritt der DHV bundesweit die Interessen seiner Mitglieder in Öffentlichkeit und Politik. Mit seinen 254 hochprädikatisierten Mitgliedsorten ist der Verband kompetenter Ansprechpartner rund um das Thema Kur und Gesundheitstourismus.
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